Aktuelles vom Verein Pfälzische Sportgeschichte

Vor 70 Jahren: "Pfalz-Sport gliedert sich ein"

21.10.2019 12:48 von Finja Coerdt

Die Protagonisten des Sporthistorischen Symposiums
Die Protagonisten des Sporthistorischen Symposiums

„Sport hat für die Menschen in Rheinland-Pfalz, aber auch für die Landesregierung, eine sehr große Bedeutung. Dies machen die Haushaltsansätze für die Sportförderung deutlich, die seit Jahren konstant auf einem hohen Niveau bleiben“. Das lässt das rheinland-pfälzische Ministerium des Innern und für Sport verlauten, ohne bei diesem Verweis auf individuelle Zuschüsse und Fördergelder eine Gesamtsumme zu nennen. Elke Rottmüller, seit Mai 2018 Präsidentin des Sportbundes Pfalz - nach Christian Löffler, Eugen Müller, Otto Johann, Peter Büchner und Dieter Noppenberger die erste Frau in diesem Amt -, dürfte zumindest mit dem ersten Teil dieser Feststellung einverstanden sein. Mit dem zweiten Teil ist sie es nicht ganz.
„Um regionale Aufgaben effektiver bewältigen zu können, brauchen wir mehr Geld vom Land“ sagte sie am Rande des nach 2013 zweiten, von Sportbund-Öffentlichkeitsreferent Asmus Kaufmann inhaltlich vorbereiteten und von Vizepräsident Dr. Ullrich Becker moderierten sporthistorischen Symposiums ihres Verbandes in der Kaiserslauterer Sportbund-Zentrale.

Dort befassten sich Referenten in acht Vorträgen vorwiegend mit der Entwicklung des Sports in der Pfalz nach dem Zweiten Weltkrieg. Themen: Der Wiederaufbau und die Neuorganisation der Turn- und Sportbewegung unter der französischen Besatzungsmacht, die Gründung des Sportbundes Pfalz vor 70 Jahren (am 23. Juli 1949 im Hambacher Gasthaus „Zum Engel“) und die Bedeutung der Amerikaner für den Sport. Sie nahmen ab 1950 Einfluss auf die dessen Entwicklung, indem sie mit dem Einsatz von Baugeräten die Neuanlage und den Ausbau von Sportstätten verschiedener Vereine ermöglichten, unter anderem in Hinzweiler/Kreis Kusel, Otterberg, Mutterstadt, Steinbach am Donnersberg und Kirchheimbolanden.

Erst einige Zeit nach Kriegsende 1945 nahm das Sportgeschehen in dem von der französischen Besatzungsmacht zuerst „rhein-pfälzisches Land“, dann „Land Rheinpfalz“ und ab dem 18. Mai 1947 Rheinland-Pfalz bezeichneten Gebiet Form an. Sportbund-Marketingreferent Asmus Kaufmann verwies darauf, dass „die Entwicklung in den drei Landesteilen Rheinland, Pfalz und Rheinhessen sich relativ unabhängig voneinander vollzog“. Die Gründe dafür: Die dezentrale Verwaltungspolitik der Franzosen und die individuelle Geschichte der drei Landesteile.

Gestalt nahm der Sportbund Pfalz (vor-mals Landessportverband) am erwähnten Juli-Tag 1949 in Hambach an. Zum „Landessporttag“ waren Vertreter aller 13 Fachschaften eingeladen. Doch nur zehn schickten Delegierte: Handball, Hockey, Tischtennis, Leichtathletik, Schwimmen, Turnen, Fußball und – eigens – Fußball-Jugend, Boxen, Schwerathletik. Nicht vertreten waren Rudern, Radfahren und Wintersport.

Unter der Überschrift „Pfalz-Sport gliedert sich ein“ schrieb das Sportblatt der „Rheinpfalz“ am 25. Juli 1949: „Zug um Zug vollzieht sich gegenwärtig die Umorganisation des deutschen Sports. Nachdem innerhalb der Westzonen über 80 Prozent einheitlich ausgerichtet sind, wurde nun auch für den pfälzischen Sport die Dachorganisation geschaffen, welche berufen ist, alle sich aus dem Sportgeschehen ergebenden überfachlichen Fragen mit den staatlichen, städtischen und sonstigen Stellen zu regeln. Präsident Löffler, der bisher dem Landessportverband vorstand, wurde einmütig berufen, die Geschäfte auch weiterhin wahrzunehmen und gleichzeitig die Liquidation der alten Organisationen durchzuführen“.

Bemerkenswert war die Vita des zum ersten Vorsitzenden gewählten Polizeibeamten Christian Löffler (1886 – 1976). Ihn hatten die Franzosen 1945 mit der Neuorganisation des Sports in der Pfalz beauftragt. 1946 war der in

Kaiserslautern wohnende gebürtige Franke erster Vorsitzender des Bezirks Hinterpfalz der Sportbehörde Hessen-Pfalz, dann führte er den Landessportausschuss, dann den Landessportverband Pfalz. Löffler rief die Fußball-Oberliga der französischen Zone ins Leben, war ab Mitte Mai 1949 Vorsit-zender des Zonensportrats und auch Kreis- und Bezirksvorsitzender des Süd-westdeutschen Fußball-Verbandes. 1965 ernannte ihn der Sportbund Pfalz zu seinem Ehrenpräsidenten.

Am Aufbau des Sports im Südwesten, vorwiegend des Fußballs war auch Karl Fahrbach (1901 – 1957) beteiligt, der gute Verbindungen zu den Franzosen hatte. Der Ludwigshafener Kleiderfabrikant und -kaufmann führte den SV Phönix seiner Heimatstadt. Er wurde am selben Tag wie Christian Löffler beim Sportbund, am 23. Juli 1949, im Neustadter Saalbau zum ersten Vorsitzenden des Fußballverbandes Pfalz-Rheinhessen gewählt, dem späteren Südwestdeutschen Fußball-Verband. Fahrbach war einer der Initiatoren bei der Gründung von Sport-Toto Rheinland-Pfalz am 7. November 1948 (erste Ausspielung am 16. Januar 1949) und anfänglich deren Aufsichtsratsvorsitzender.

Fahrbach initiierte auch den Bau des Ludwigshafener Südwest-Stadion, über das beim Symposium Dr. Klaus J. Becker vom Stadtarchiv Ludwigshafen referierte. Er beschrieb die während des Wiederaufbaus stetig anwachsenden Zuschauerränge des Stadions, „weil keiner in Ludwigshafen wusste, wohin der ganze Kriegsschutt gebracht werden konnte. Nach der Fertigstellung des Stadions stelle man überrascht fest, dass nun über 100.000 Menschen ins Stadion passten“. Als zweite Vorzeigesportstätte in der größten pfälzischen Stadt stellte Becker die Mitte der 1950-er in Ludwigshafen angelegte Radrennbahn in Friesenheim vor: „1956 waren 16.000 Zuschauer begeistert von den deutschen Meisterschaften, zur Einweihung dieser Anlage ausgetragen wurden“.

„Fünf Spieler des FCK 1954 beim Wunder von Bern: Legenden, Hintergründe, Folgen“ hatte Dr. Hans Petillon seinen Symposium-Vortrag überschrieben. Der emeritierte Professor der Universität Koblenz referierte über die außergewöhnliche Geschichte, die zum Welttitel der deutschen Nationalmannschaft führten, über die Legenden und relativ unbekannt Hintergründe, die sich um dieses Spiel rankten. Und er sprach von der Bedeutung, die die fünf Spieler aus Kaiserslautern für die Pfälzer hatten. Die Euphorie, die aus dem WM-Triumph entstand, wirkte sich auch auf den Fußball in den unteren Klassen aus. Resümierend merkte Petillon an: „Eine Zeitungsüberschrift lautete damals: „Kaiserslautern ist Hauptstadt des Weltfußballs‘. Leider sind wir heute weit davon entfernt.“ 

2.100 Vereine mit ihren pfälzischen Sachwaltern auch sein mag – ideal ist das Verhältnis des Sportbünde Pfalz, Rheinhessen und Rheinland mit dem Landessportbund Rheinland-Pfalz nicht. Der Sportökonom und -soziologe Dr. Eike Emrich, Professor an der Universität des Saarlandes, machte ein „Machtvakuum“ zwischen diesen vier Einrichtungen aus, entstanden „in der Folge von Uneinigkeit und den daraus resultierenden Konflikten“. Er erläuterte „Organisationsformen, die die dauernden Spannungen zwischen den Sportbünden und dem Landessportbund deutlich reduzieren können“. Was dank „verbesserter Kooperationsmechanismen wieder zur Stärkung der politischen Situation des organisierten Sports“ führen würde. Aufschlussreich auch Emrichs Hinweis, dass „in den letzten drei Jahren etwa 26 Prozent der Vereine neue Sportangebote eingeführt haben, darunter vermehrt Vereine, die einen kommerziellen Sportanbieter in ihrem Umfeld haben“.

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